Dr. Harald Hauke im Interview über Synergien nachhaltiger Wirtschaftsakteure, Stakeholder-Engagement und das ständige Streben, Austria Glas Recycling nachhaltiger zu machen

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Dr. Harald Hauke ist im Vorstand der Altstoff Recycling Austria Gruppe (ARA) und Geschäftsführer des Tochterunternehmens Austria Glas Recycling GmbH (AGR). Kreislaufwirtschaft und Non-Profit-Prinzipien gehören zu seinem Arbeitsalltag genauso dazu wie Innovationen zur nachhaltigen Unternehmensführung. Im Interview erklärt uns Dr. Hauke auf Basis seiner Erfahrung, wie nachhaltige Unternehmen sichtbar werden und was er sich als Innovationstreiber vom Nachhaltigkeits-Index erwartet.

 

Herr Dr. Hauke, welche Bedeutung hat ihrer Meinung nach die Sichtbarkeit von Nachhaltigkeit von Unternehmen? 

Dr. Harald Hauke: Die Sichtbarkeit ist insofern wichtig, weil sie verschiedene Implikationen bedeutet. Schauen wir doch einmal, was genau Sichtbarkeit schafft: Auf der einen Seite gibt es die Hard-Facts und auf der anderen Seite die Soft-Facts. Klassische Hard-Facts sind zum Beispiel eine EMAS Zertifizierung, eine Zertifizierung nach ONR 192500, eine Mitgliedschaft beim Global Compact oder die Analyse der SDGs im Unternehmen. Das alles schafft Sichtbarkeit im klassischen Sinn. Zu den Soft-Facts zählen der Nachhaltigkeitsbericht und die Pflege der Nachhaltigkeits-Community, die auch einen Multiplikator-Effekt haben. Das alles zahlt auf die Sichtbarkeit ein und zeigt, warum es wichtig ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Wie schaffen Sie Sichtbarkeit von Nachhaltigkeit bei der AGR bzw. bei Ihren Lizenzpartner:innen?

Wir haben bei der Austria Glas Recycling schon vor mehr als 20 Jahren begonnen, uns intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Wir sind seit vielen Jahren EMAS und ONR 192500 zertifiziert. Außerdem machen wir seit Beginn an regelmäßige Stakeholder-Veranstaltungen. Wir laden seit 2014 zwei bis dreimal pro Jahr zu unserem Austria Glas ReCIRCLE ein. Hier liegt auch wieder der Schwerpunkt bei Themen der Nachhaltigkeit. Dazu laden wir unterschiedlichste Sprecher:innen aus dem nationalen und internationalen Raum ein, um Nachhaltigkeit von verschiedenen Blickwinkeln aus zu beleuchten.

Hinzu kommen regelmäßige Umfragen. Wir identifizieren unsere Stakeholder sehr exakt. Darunter sind eine Reihe an Interessengruppen, mit denen wir uns besonders intensiv auseinandersetzen und die wir regelmäßig befragen – mit Fragebogen und auch persönlich. Wir veranstalten mindestens einmal pro Jahr einen Stakeholder-Tag, wo wir mit unseren Interessengruppen ein Thema aus dem Bereich Nachhaltigkeit diskutieren. Das ist wichtig, um die Wesentlichkeiten zu verstehen und die Wesentlichkeits-Matrix zu entwickeln. Wir erkennen dadurch, wohin sich die Interessen der Stakeholder entwickeln und was tatsächlich Mehrwert schafft.

Außerdem haben wir im Zuge der SDGs und Agenda 2030 ein neues Format etabliert: den Sustainability Future Council. Das sind Veranstaltungen mit Stakeholdern aus den unterschiedlichsten Bereichen. Außerdem haben wir die Scientific Community eingeladen, um das Thema Nachhaltigkeit akademisch zu beleuchten. Das sind alles Punkte, die wir bei der Austria Glas Recycling seit vielen Jahren treiben. Wir sind sehr aktiv darin, unsere Stakeholder einzubinden.

Wenn Sie an den Nachhaltigkeits-Index denken, den wir gemeinsam erarbeiten: Was bringt denn eine bessere Sichtbarkeit? Welche Ideen und Gedanken haben Sie dazu?

Aus meiner Sicht muss die Plattform Synergien bilden und Handlungsempfehlungen geben. Denn es gibt unterschiedliche Entwicklungsstufen. Manche Unternehmen beginnen erst mit dem Thema Nachhaltigkeit. Andere blicken auf eine jahrzehntelange Erfahrung zurück. Die Erfahrungen und das Wissen zu teilen, was man in den letzten Jahren gelernt hat, erscheint mir sehr wichtig. Dazu gehört es auch, dass erfahrene Unternehmen dazu informieren, welche Stakeholdergruppen definiert wurden, wie sie die Kontakte zu diesen Interessensgruppen pflegen und welchen Mehrwert dies für Unternehmen und Stakeholder schafft.

Außerdem braucht die Sichtbarmachung eine Konkretisierung und Messbarkeit von Nachhaltigkeit und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette – zu den Kund:innen und zu allen anderen Stakeholdern. Das hilft anderen Unternehmen, aber auch der Gesellschaft. So können alle besser verstehen, wie einzelne Stakeholdergruppen ineinandergreifen und warum es wirklich wichtig ist, sich mit Nachhaltigkeit zu befassen, es messbar und mit anderen teilbar zu machen.

 

Eine finale Frage: Brauchen Unternehmen andere Informationen als die Gesellschaft, um die Nachhaltigkeit von Unternehmen einschätzen zu können?

Unternehmen haben von Haus aus andere Informationen als die Gesellschaft. Jedes Unternehmen ist im eigenen Bereich ein Spezialist und versucht hier so viele Informationen wie möglich zu generieren. Diese Informationen kommen zwar in der Gesellschaft an, sind aber sehr verdichtet. Dadurch hat die Gesellschaft ein viel breiteres Bild von oben. Unternehmen gehen in ihrem speziellen Segment hingegen in die Tiefe.

Das zeigt: Unternehmen brauchen mehr und tiefgehende Informationen. Außerdem müssen die Informationen spezialisierter sein, wie zum Beispiel Informationen über die Zielgruppe. Die Gesellschaft hingegen schaut von oben auf viele unterschiedliche Themen.

Fotos: Austria Glas Recycling/Verdino & Austria Glas Recycling/Daniel Willinger

 

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