Elisabeth Bergthaler (bellaflora) im Interview über Klimaschutz und Biodiversität im Gartenbau und wie der Nachhaltigkeits-Index hilft

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Elisabeth Bergthaler ist bei der bellaflora Gartencenter GmbH für die nachhaltige Entwicklung im Unternehmen verantwortlich. Was nicht alle wissen: Die österreichische Gartencenter-Kette engagiert sich seit vielen Jahren für das Thema Nachhaltigkeit. In einem Interview erzählte uns die Agrarökologin mehr über die Herausforderungen, die Nachhaltigkeit im Gartenbau mit sich bringt und wie der Nachhaltigkeits-Index von mitwirken.at in Zukunft helfen kann.

 

Liebe Elisabeth, danke für deine Zeit. Nachhaltigkeit ist bei euch schon seit Jahren ein großes Thema. Und auch jetzt unterstützt bellaflora unser Projekt zum neuen Nachhaltigkeits-Index. Was waren bei euch im Unternehmen denn die wichtigsten Treiber für Nachhaltigkeit?

Elisabeth Bergthaler: Unsere Eigentümerin Hilde Umdasch ist sehr stark dahinter und sie hat dafür in der Vergangenheit wichtige Initiativen ergriffen. Auf ihr Betreiben haben wir zum Beispiel vor 10 Jahren die chemisch-synthetischen Dünge- und Spritzmittel aus unserem Sortiment ausgelistet. Damit sind wir natürlich ein Risiko eingegangen. Es hat aber gut funktioniert und diese Entscheidung hatte große Auswirkungen auf unsere Kund:innen. Durch solche Aktionen wissen sie, dass sie auf unsere Produkte vertrauen können und das ist der Grund, weshalb sie sich für uns entscheiden. Deswegen sind unsere Kund:innen ebenfalls wichtige Treiber für Nachhaltigkeitsthemen bei bellaflora.  

 In Sachen Nachhaltigkeit nehmen die Mitarbeitenden ja eine wichtige Rolle ein. Denn ohne sie geht es nicht. In einem unserer Workshops für den Nachhaltigkeits-Index diskutieren wir auch, wie Mitarbeiter:innen im Nachhaltigkeits-Management einer Organisation eingebunden werden können. Welche Rolle nehmen denn bei euch die Mitarbeitenden ein?

Unsere Mitarbeiter:innen sind sehr stark dahinter, dass wir uns weiter verbessern. Nachhaltigkeit ist für uns eine Herzensangelegenheit. Das heißt, wir müssen niemanden überzeugen. Optimierungen werden von den Filialen aktiv eingefordert und selbst angestoßen. Natürlich haben auch wir unsere Herausforderungen, vor allem wenn es dann um die tagtäglichen Entscheidungen geht. Durch Initiativen wie unsere Zukunftsworkshops und Zukunftsforen stellen wir sicher, dass Nachhaltigkeit einfließt und alle im Unternehmen informiert bleiben, die sich dafür interessieren.

Du hast gerade das Thema Herausforderungen angesprochen. Welche Hürden begegnen euch und wie geht ihr damit im Sinne der Nachhaltigkeit um?

Die steigenden Energiekosten sind natürlich ein großes Thema, wie für viele andere Unternehmen auch. Damit die Pflanzen in unseren Glashäusern wachsen, müssen die richtigen Temperaturen herrschen. Das geht nicht ohne Beheizung, was aktuell bei uns noch zu circa 60 % mit Gas passiert. Wir arbeiten mit Hochdruck an Alternativen dazu, aber es ist kein leichtes Unterfangen und das stellt uns und auch unsere Lieferanten vor komplexe Herausforderungen.

Außerdem sind Pflanzen ein attraktives Produkt. Das hat der Lebensmitteleinzelhandel erkannt und dadurch verschwimmt das Sortiment im Handel zusehends. Auf diese Entwicklungen gilt es zu reagieren und Nachhaltigkeit mitzudenken. Wir setzen als Fachmarkt auf eine große Auswahl, hohe Qualität und Kompetenz. Unsere Hauptsaison ist von März bis Mai und wir versuchen diese Spitzen durch ein breites Sortiment auszuweiten. Das hilft uns im Hinblick auf ganzjährige Anstellungsverhältnisse und um den Bedürfnissen am Arbeitsmarkt gerecht zu werden. Hinzu kommen die Anforderungen durch die Generationen Y und Z. Zu dieser Gruppe zähle ich mich ja auch. Als Arbeitgeber ist es wichtig, sich zu überlegen, wie diese Generationen anzusprechen sind. Da hilft es uns sehr, dass wir in Sachen Nachhaltigkeit schon viel getan haben. Das umfasst auch unser Engagement zum Klimaschutz.  

Stichwort Klimakrise: Was bedeutet das für bellaflora?

Der Klimawandel beschäftigt uns von zwei Seiten her. Einerseits bekommen wir die Folgen schon jetzt zu spüren. Die Produktion und der Verkauf von Pflanzen sind wetterabhängig und der Klimawandel führt zu vielen Veränderungen im Wetter. Dazu zählen Starkregenereignisse und Trockenperioden, mit denen wir schon jetzt umgehen müssen. Das alles wird uns in Zukunft natürlich noch mehr beschäftigen.

Andererseits stellen wir uns die Frage, was wir zum Klimaschutz beitragen können. In puncto Gartenbau sind torffreie Substrate ein Kernelement. Torf spielt eine wichtige Rolle beim Klimawandel und trägt mit hohen Treibhausgasemissionen dazu bei. Das berücksichtigen wir in unserem Sortiment. Und wie bereits angesprochen: Umweltfreundliche Heizungen in unseren Glashäusern und den Anlagen unserer Lieferanten sind natürlich auch ein großes Thema, mit dem wir uns intensiv befassen.

Es gibt da noch einen anderen Punkt: die Biodiversität. Generell wird die Biodiversität im Vergleich zur Klimakrise ja eher stiefmütterlich behandelt, ist für uns aber auch von zentraler Bedeutung. Vielfältige, heimische Pflanzen, natürliche Pflanzenpflegemittel und organische Düngung schaffen eine wichtige Grundlage für Biodiversität. Wir als Gartencenter und Akteur im Gartenbau können viel dazu beitragen. Und das fordern wir auch von unseren Lieferanten ein.

Was bedeutet es für euch, über Nachhaltigkeit zu berichten und mit dem Thema öffentlich in Erscheinung zu treten?

Seit 2010 veröffentlichen wir unsere Nachhaltigkeitsberichte im dreijährigen Rhythmus. Wir gehen nach dem nächsten Bericht, der 2023 erscheinen wird, in die verpflichtende jährliche Berichterstattung über. Was das konkret für uns bedeutet, können wir aufgrund der noch fehlenden Vorgaben, wie viele andere Unternehmen, noch nicht ganz abschätzen. Es ist auf jeden Fall eine spannende Herausforderung. Da wir bereits nach GRI berichten, fühlen wir uns sehr gut gerüstet. Außerdem entwickeln wir gerade eine Gesamtstrategie für Nachhaltigkeit. Dafür sind unter anderem die Sustainable Development Goals eine gute Grundlage.

Was die Öffentlichkeit betrifft, glaube ich, dass wir in der Kommunikation noch einige Herausforderungen zu bewältigen haben. Viele wissen nicht, dass bellaflora ein österreichisches Unternehmen ist und viel für Nachhaltigkeit unternimmt. Da müssen wir bei den Leuten noch mehr ankommen.

Damit sprichst du das Thema “Sichtbarkeit nachhaltiger Unternehmen” an. Die Bewertungsplattform, an der unser Projektteam arbeitet, soll in diesem Punkt ansetzen und zu mehr Transparenz und Vergleichbarkeit beitragen. bellaflora unterstützt ja unser Vorhaben. Was sind denn deine Erwartungen an den Nachhaltigkeits-Index?

Die Möglichkeit, sich in der Branche zu vergleichen, ist für uns aus mehreren Gründen sehr wertvoll. Natürlich ist es spannend, wie wir im Vergleich zu anderen dastehen und Input zu bekommen: Wo sind wir schon vorne und wo können wir noch mehr machen, auch im Hinblick auf unsere Herausforderungen. Das schafft eine Motivation für unsere Mitarbeitenden, um diese Lücken aufzuholen. Außerdem erwarten wir uns eine Außenwirkung in Richtung unserer Kund:innen. Von einer neutralen Stelle bewertet zu werden, ist extrem wertvoll für unser Image. Und wir erhoffen uns, dass dies auch bei den Endverbraucher:innen ankommt und wir dadurch zeigen, was wir bei bellaflora als traditionelles österreichisches Unternehmen für die Nachhaltigkeit tun. Deswegen unterstützen wir das Projekt zum Nachhaltigkeits-Index.

Fotos: Stephan Huger

 

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