Transparenz versus Vertraulichkeit – Ergebnisse aus Workshop Nr.2

Der Nachhaltigkeits-Index dient als Plattform zur transparenten Bewertung, Messung und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeit in Unternehmen. In diesem Zuge kommt es nicht nur darauf an, welche Maßnahmen ein Unternehmen setzt, sondern welche Informationen es nach außen trägt. Eine glaubwürdige und belastbare Bewertung zur Nachhaltigkeit eines Unternehmens kann nur auf Basis von aussagekräftigen Informationen erfolgen. 

Aktuell werden Organisation immer mehr dazu aufgefordert, Daten zur Nachhaltigkeit transparent zu veröffentlichen. Im zweiten Workshop haben unsere mitwirken-Teammitglieder Sigrid Koloo und Leo Hauska daher gemeinsam mit den Teilnehmer:innen verschiedene Aspekte rund um die transparente Weitergabe von Informationen durch Unternehmen diskutiert und überlegt, was das für die Bewertungsplattform genau bedeutet.

Die Arbeitsgruppe setzte sich mit den folgenden Fragen auseinander:

  • Welche Gründe sprechen für Vertraulichkeit oder Verschwiegenheit?
  • Wer kann wie erkennen, ob ein verschwiegenes Unternehmen nachhaltig ist? Wenn sehr verschwiegen: Wie lässt sich Nachhaltigkeit oder Unnachhaltigkeit erkennen?
  • Wie sollen Transparenz und Verschwiegenheit auf der Bewertungsplattform abgebildet werden bzw. in die Bewertung einfließen?
  • Welcher Grad an Transparenz ist notwendig und wie können Unternehmen dazu motiviert werden?

Transparenz versus Vertraulichkeit: Die 5 wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Unternehmen gehen mit der Weitergabe von Daten zur Nachhaltigkeit und CSR-Zielen ganz unterschiedlich um. Manche sind sehr transparent, andere wiederum verschwiegen. Die Gründe dafür sind vielfältig wie der Workshop zeigte. Die Motivation ist jedoch wichtig zu verstehen, wenn die neue Bewertungsplattform ihren Zweck erfüllen soll. Die folgenden Punkte zeigen die wesentlichen Take aways für die Entwicklung des Nachhaltigkeits-Index.

1) Transparenz fördern, statt Verschwiegenheit zu unterstützen

Der Nachhaltigkeits-Index dürfe nicht das alte bzw. gängige System bedienen, sondern muss dem Wunsch nach offenen und ehrlichen Informationen nachkommen. Dieser Anspruch verschärft sich zum einen durch die Konsument:innen, insbesondere durch die junge Generation. Zum anderen orientiert sich das Projekt damit auch an den gesetzlichen Entwicklung: Anforderungen der Finanzmärkte, Investoren und Offenlegungspflicht werden Unternehmen in den nächsten Jahren noch mehr in diese Richtung drängen. Die Plattform muss also zur Transparenz von Unternehmen maximal beitragen. Nur so kann sich auch eine Eigendynamik auf der Plattform entwickeln, die möglichst viele Unternehmen mitreißt.

2) Mögliche Quellen zur Nachhaltigkeitsbewertung von KMUs

Die gesetzliche Offenlegungspflicht betrifft Großbetriebe mit mehreren hundert Mitarbeiter:innen. Der Großteil der Organisationen in Österreich besteht aus mittelständischen Unternehmen und Kleinbetrieben, die (noch) nicht von dieser Entwicklung vollumfänglich betroffen sind. Um diese Unternehmen dennoch zu bewerten, liefern Zertifizierungen, Mitgliedschaften oder Fragebögen an die Geschäftsführung wertvolle Informationen. Das Entwicklungsteam muss sich allerdings die Frage stellen, welche Daten für die Nachhaltigkeitsbewertung tatsächlich berücksichtigt werden sollen und wie alt diese Daten sein dürfen, um den Wunsch nach Transparenz gerecht zu werden. Darüber hinaus gilt es zwischen Prozess-Transparenz wie bei GRI und Kennzahlen-Transparenz zu unterscheiden. 

3) Stakeholder-Bewertungen: Qualitätskontrolle und Diskurs-Option

Mitarbeiter:innen und Kund:innen sind äußerst wissende Stakeholder, wenn es um die Nachhaltigkeit in Unternehmen geht. Daher sind sie eine interessante und wichtige Quelle, um Einblicke in ein Unternehmen zu erhalten. Eine Kontrollfunktion muss allerdings sicherstellen, dass einem Missbrauch der Bewertung vorgebeugt wird, indem Informationen verifiziert werden. Darüber hinaus könnte die Plattform dazu genutzt werden, Feedbackgeber:in und Unternehmen zu einen Diskurs zu motivieren. 

4) Motivation statt Druck durch Label für Verschwiegenheit und Transparenz

Auch wenn die Forderung nach Transparenz steigt: Dass Unternehmen ihre Informationen zur gelebten Nachhaltigkeit zurückhalten, ist durchaus nachvollziehbar. Manche sind darauf bedacht, dass Wettbewerbsvorteile nicht nach außen dringen oder sorgen sich um die Auswirkungen möglicher Rufschädigungen. Davor sind nämlich selbst engagierte Unternehmen mit guten Absichten nicht gefeit, die ihre Nachhaltigkeitsziele verfehlen oder Potenziale offen kommunizieren. Darüber hinaus ist die Geheimhaltung von Informationen in unseren Breitengraden kulturell verankert. Statt Druck aufzubauen, gilt es also zu motivieren. Unternehmen, die keine Informationen zur Verfügung stellen, könnten daher mit einem Label versehen werden. Gleiches gilt für Unternehmen, die für ihren hohen Grad an Transparenz ausgezeichnet werden. Gerade im Branchenvergleich könnte dies verschwiegene Unternehmen dazu motivieren, sich in dem Prozess zu öffnen. 

5) Darstellung und Transparenz der Plattform

Für die Plattform werden etliche Informationen benötigt und gesammelt. Unternehmen müssen ihre Wettbewerbsvorteile und andere sensible Informationen schützen dürfen. Auch Informationsgeber:innen haben ein Interesse daran, dass ihre Daten unter Verschluss bleiben und auch die Namen auf Wunsch nicht nach außen dringen. Die gelieferten Informationen fließen somit in die Bewertung ein und können über ein Farb- oder Ampelsystem sichtbar werden. Detailinformationen und einzelne Werte sollten aber nicht vollständig transparent einsehbar sein. Die technische Umsetzung der Plattform muss daher personenbezogene Daten und andere sensible Informationen anonymisiert und schützen.

Wir danken allen Beteiligten für das wertvolle Mitwirken!

 

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